WESPEN                   

                 Vespula vulgaris, Vespula germanica


Im Sommer kommen sie hervor: Sie brummen und umschwirren uns zu den unmöglichsten Zeitpunkten. Egal ob Grillparty, Kaffeetisch oder im Haus. Angezogen von süßen Früchten und Fleisch fliegen sie hartnäckig um uns herum. Das löst oft Panik aus, wenn dieses gelb-schwarze Insekt auftaucht. Wildes Umherschlagen um die Wespe zu vertreiben fördert die Aggression, da sich das Tier bedroht fühlt.

Die Wespe, ein Schädling?             

Ein Wespennest in der unmittelbaren Nähe der Menschen stellt eine Bedrohung da. Direkten Schaden fügt die Wespe nur durch einen Stich dem Menschen zu, indirekte Schäden werden durch verklebte Rollladenkästen, in denen Wespen ein Nest bauen.                                  Wespennest im Rollladenkasten

Durch "annargseln" von Holz gewinnen sie Baumaterial zum Nestbau und das Nest an sichbehindert, welches durch das Dasein menschliche Handlungen unterbindet. Zum Beispiel im Dachboden, in Gartenhaüsern, im Kamin oder auch im Mauerwerk. Die Lebensqualität wird enorm geschädigt.
Das sind nur einige Beispiele, wo ein Wespenvolk schädlich sein kann. Mein größtes Wespennest war freihängend in einem Dachboden und hatte einen Durchmesser von ca. 80 cm. Ein Weiteres in einem anderen Dachboden an einer Fußfette war im September 1,3
Meter lang und ca. 40 cm hoch. Ein solch großes Volk vernichtet in der Saison über 10 Kg Schädlinge, die sie der Brut verfüttert! Die Arbeiterinnen bestäuben auch durch das Nektarsaugen die Blüten, wie die Bienen.
Daher ist in biologischer Hinsicht die Wespe ein ausgesprochener Nützling, da das Volk im Lebenszyklus eine Unmenge an sonstigen Schädlingen abtötet und der Brut verfüttert. Die erwachsene Wespe braucht Zucker, um diesen Hochleistungs
motor am laufen zu halten. Dieser wird dann gerne bei den Menschen gesucht, die immer einen reich gedeckten Tisch für die Hochleistungssportler bereithalten.
Es ist nicht immer notwendig, ein Wespennest zu bekämpfen. Ein Wespenvolk, welches nicht unmittelbar den Menschen oder dessen Nutztiere bedroht, sollte nicht bekämpft werden.


Das Wespenjahr
       

Wespennester werden im Frühjahr von einer Königin gegründet. Diese sucht sich in den ersten warmen Frühlingstagen einen Unterschlupf, der trocken und warm ist. Sie beginnt ein ca. 5cm großes, kugelförmiges Nest, welches sie selbst durch Muskelbewegungen warmhält.


Die darauf ausschlüpfenden Arbeiterinnen nehmen nun der Königin die Arbeit des Nestbaues und der Fütterung der Larven ab. Die Königin wird nun ihren Bau nicht wieder verlassen und nur noch Eier legen. 

Wespennest unter dem Dach
Erst im Herbst, wenn es deutlich kühler wird, wird die Königin nur noch Jungköniginnen und Drohnen (männliche Wespen) erzeugen. Das Volk kann
bis in den Spätsommer eine Population von ca. 5000 Arbeiterinnen haben. Nach den ersten Nachtfrösten stirbt die alte Königin und die Jungköniginnen und die Drohnen  fliegen aus, um sich zu paaren, wobei die Drohnen bald darauf sterben und die Königinnen sich ein Überwinterungsquarier bis zum nächsten Jahr suchen. Ein altes Nest wird von einer neuen Königin nicht weiterbenutzt.

  

Verhaltenshinweise bei Wespen

Ist ein Wespennest ausfindig gemacht und belästigt die Menschen, so ist es wichtig, den IHK gepr. Schädlingsbekämpfer zu rufen. Nur er kann ein Wespennest fachgerecht bekämpfen und unter Umständen entfernen. Ich rate dringend vor überstürzter Eigeniniative ab! Es macht das Volk noch sensibler und bedroht durch die gesteigerte Aggression die Mitmenschen!

Wespennest im Gebüsch
Stellen Sie sicher, dass das Volk nicht unnötig aufgeregt wird und halten Sie Fenster und Türen, soweit es geht, geschlossen. Wespen mögen es nicht, wenn das Nest erschüttert wird oder ihnen der Einflug verwehrt wird. Dies steigert auch die Aggression.

Auch darf nicht mit handelsüblichen Mitteln an einem Wespennest hantiert werden. Sie gefährden sich durch das Einatmen der Aerosole mehr, als sie das Nest bekämpfen.

Durch Anzünden des Papiernestes sind schon ganze Bauerhöfe in Flammen aufgegangen, daher auch nicht mit Feuer an das Nest gehen!

Wie geht der Schädlingsbekämpfer vor?        


Der Schädlingsbekämpfer sieht sich die Begebenheiten an und beurteilt den Umfang der Maßnahmen. In Einzelfällen muß auch mit dem Endoskop gearbeitet werden, um das Nest gezielt bekämpfen zu können. Danach impliziert er ein spezielles Aerosol, welches das Volk binnen 3 Minuten ausschaltet. Nun wird er versuchen, das Nest zu bergen. Dieses kann dann problemlos im Hausmüll entsorgt werden. Zum Schluß der Maßnahme bekommen Sie von ihm noch ein Merkblatt mit Hinweisen und Verhaltensmaßnahmen ausgehändigt.

Der "Chef" bei der Arbeit

Warum sollte ein Wespennest entfernt werden?

Jedes Jahr werden tausende Menschen von Wespen gestochen. Der Stich ist zwar schmerzhaft, aber in der Regel nicht gefährlich. Jedoch können gewisse Umstände dazuführen dass der Gestochene allergisch reagiert oder aufgrund der Abwehrreaktionen einen Unfall verursacht. Vorallem Kleinkinder, Jugendliche und Senioren reagieren auf das Gift der Wespen teils sehr heftig, was zu Herz/Kreislaufproblemen und zu allergischen Schocks führen kann. Auch das versehendliche Verschlucken kann zu Erstickungen führen.
Wird ein Wespennest nicht beseitigt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich im nächsten Jahr wieder Wespen in der näheren Umgebung ansiedeln, da die neuen Königinnen das Gebiet im Frühjahr zum Nestbau wieder aufsuchen. Sie besiedeln zwar nicht die alten Nester, bauen aber in der unmittelbaren Umgebung neu.


Hier sind ein paar Beispiele, wo sich Nester ansiedeln können!

Umgang mit besonders geschützten Wespen und Hornissen

In 97% aller Anrufe, die Wespen betreffen,  handelt es sich es um die "Gemeine Wespe" (Vespular vulgaris) oder die "Deutsche Wespe" (Vespular germanica). Aber 2% der Anrufe gelten der Hornisse und ca. 1% den anderen Unterarten der Wespen, die besonders geschützt sind.
Hier finden Sie Hinweise, wie Sie mit diesen 3% der anderen Wespenarten und Hornissen umgehen sollen, bzw. an wen Sie sich für weitere Informationen wenden können:

Darf ich(Privatperson) Hornissennester einfach beseitigen? Nein. Alle Wespenarten bis auf die zwei häufigsten Arten stehen unter besonderen Naturschutz. Durch die spezielle Zeichnung des Kopfes kann nur ein IHK gepr. Schädlingsbekämpfer (SBK) die Wespenart bestimmen und ggf. bekämpfen. Danach muss ggf. die Beseitigung der Wespen bzw. ihrer Nester zuvor von der Unteren Landespflegebehörde genehmigt werden.*

* Wenn es sich nicht um die "Gemeine Wespe" oder die "Deutsche Wespe" handelt

Wird die Genehmigung in der Regel erteilt?
Nein. Eine Genehmigung für die Beseitigung dieser besonders geschützten Wespenarten bzw. ihrer Nester wird nur in Ausnahmefällen erteilt. Meist ist die Beseitigung nämlich unnötig: Wenn das Nest - meist im September - auffällt, dauert es nur noch wenige Wochen, bis das Volk von selbst abstirbt. Das Nest wird in keinem Fall wieder besiedelt oder gar noch vergrößert.

Warum wird die Genehmigung restriktiv gehandhabt?
Wespen sind allgemein weniger lästig und gefährlich als man ihnen nachsagt. Dies gilt insbesondere für die Bewohner der Nester, die sichtbar aufgehängt sind, entweder frei in Hecken oder in hellen Dachräumen und Gartenhäuschen. Diese Arten bilden eher kleine Völker von höchstens einigen hundert Arbeiterinnen und sterben schon früh ab. Die Tiere sind meist friedlich, solange man ihr Nest nicht unmittelbar bedroht.

Ins Dunkle gebaute Nester (Zwischendecken, Rollladenkästen, dunkle Dachböden, Erdlöcher) werden unter anderem von den beiden häufigsten Wespenarten, der Deutschen und der Gemeinen Wespe, bewohnt. Diese beiden Arten können Völker mit bis zu mehreren Tausend Tieren bilden, die bis in den November ausdauern können und etwas aggressiver sind. Bei richtigem Umgang und Abstand vom Nest lässt sich auch mit ihnen leben. Da auch geschützte Arten, unter ihnen die Hornisse, zu den Dunkelnest-Bewohnern zählen, ist zur Beurteilung solcher Fälle die Artbestimmung durch einen Fachmann unerlässlich.

Falls die Beseitigung eines Wespennestes genehmigt wird, wer beseitigt dieses dann?
Auf keinen Fall ist dies Aufgabe städtischer Bediensteter, auch nicht der Feuerwehr. Wenden Sie sich an den IHK gepr. Schädlingsbekämpfer!

Notwendige Unterlagen

  • Zur Vorab-Bestimmung der Art sind einzelne tote Tiere verwendbar, die sich in der Nähe des Nestes finden. Als Verpackung eignen sich Streichholzschachteln, Filmdöschen etc. Ansonsten reicht ein formloser (fern)mündlicher oder schriftlicher Antrag mit Angaben zur Lage des Nestes und Begründung, warum das Nest unbedingt beseitigt werden muss.

Rechtliche Grundlagen

  • Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), §§ 39-43
  • Bundes-Artenschutz-Verordnung (BArtSchVO)
  • Landespflegegesetz (LPflG), § 24


Artikel in der Rheinischen Post vom 04.08.11:

Leverkusen

Wespenbekämpfer im Dauerstress

VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 04.08.2011

Leverkusen (RP). Weil der Winter milde war, haben die Wespen viele neue Völker gegründet. Der verregnete Sommer raubte ihnen die Nahrung. Umso aggressiver machen sie jetzt Jagd. Schädlingsbekämpfer haben jede Menge zu tun.

Ganz in weiß, mit einem Kopfschutz und giftigen Bioziden rückt Schädlingsbekämpfer Stefan Kittner den Wespen zu Leibe. Die Insekten halten den 44-Jährigen auf Trab, fast stündlich bekommt er neue Aufträge. Foto: u. miserius

Stefan Kittner ist schwer im Brass und gut im Geschäft. "Es gibt Tage, da fange ich um sieben Uhr morgens an und bis erst um 21 Uhr wieder zu Hause", erzählt der Leverkusener. Kittner ist Schädlingsbekämpfer. Und seit Tagen im Wespennest-Dauereinsatz. Als er mit unserer Zeitung telefoniert, steht er auf einem Seitenstreifen, plötzlich klopft es an seine Fensterscheibe.

"Sie sind Schädlingsbekämpfer", fragt der junge Mann. "Ich habe ein Hornissen-Nest, allerdings schwer erreichbar unter einer Dachgaube." Für Kittner kein Problem: "Ich habe eine 3,80 Meter lange Leiter und eine Stange, die ich fünf Meter ausfahren kann." Zwei Minuten später hat Kittner den Auftrag.

Info

Verhaltensregeln

Haben Sie ein Nest entdeckt, gilt: Ruhe bewahren. "Vermeiden Sie, dass Kinder oder Haustiere in die Nähe des Nestes kommen. Ein Abstand von drei Metern ist okay." Die Tiere nicht anpusten, nicht nach ihnen schlagen. Und bitte nicht selbst Hand anlegen: "Bei einem Unfall sind Sie nicht versichert", weiß der Experte. Die Feuerwehr wird übrigens nur eingesetzt, wenn es sich um ein städtisches Gebäude handelt und eine Gefahr für Menschen ausgeht.

Population ist explodiert

Vor allem wespengeplagte Leverkusener lassen Kittners Handy den ganzen Tag über vibrieren. "Stündlich, manchmal sogar minütlich bekomme ich Anfragen", sagt der 44-Jährige. Denn Deutschland wird von einer regelrechten Wespenplage heimgesucht. Und Kittner weiß auch, warum: "Der milde Winter und die lange Trockenperiode im Frühling haben dazu geführt, dass die Wespenpopulation geradezu explodiert ist. Den Winter konnten die Königinnen problemlos überstehen und ein neues Volk gründen."

Das braucht Nahrung. Und die findet eine erwachsene Wespe in Form von Zucker, den sie sich aus Nektar oder Fallobst besorgt. Dann macht sie Jagd auf Insekten, schleppt die ins Nest. Aber: "Beides war in diesem nassen Sommer Mangelware", erklärt der Experte. "Die Nester wurden trotzdem größer, der Nachwuchs musste trotzdem versorgt und gefüttert werden. Sobald es warm wird, so wie jetzt in den letzten Tagen, sehen die Wespen nun ihre Chance und schwirren aus. Und wegen der Knappheit der letzten Wochen haben sie Stress, das Aggressionspotenzial ist sehr hoch."

Ein weiteres Problem: "Im letzten Jahr hat es von Mitte Juli bis Spetember im Grunde genommen nur geregnet – niemand hat draußen gesessen, und niemand hat dementsprechend gemerkt, dass bei ihm gerade ein Wespennest gebaut wird", sagt Kittner. Die im September geschlüpften Königinnen (immerhin bis zu 205 pro Nest!) gründeten einen neuen Staat. Und zwar in der Nähe ihrer alten Nester. Knitter: "Im Zweifelsfall können mehr als zehn Nester in unmittelbarer Umgebung entstehen."

Genehmigung für Hornissen

Bei einem Hornissennest müssen Kittners Kunden übrigens eine Genehmigung zur Beseitigung bei der Landschaftsbehörde beantragen. "Eine Genehmigung wird meist gewährt, wenn Kinder und Tiere in unmittelbarer Gefahr sind und sich ein Zusammentreffen nicht ausschließen lässt."

Quelle: RP